Sinnerman

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„Australian way of music“

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Erinnerungen

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I ♥ Möbelsprinter

Studenten holen Ikea nach Greifswald

(Fundort)

Philipp Hunsche, der gute Bursche, wie er da im Grünen auf den Stufen sitzt, Presseunterlagen und Laptop dabei hat, an einem Tee schlürft und voller Elan erzählt. Er arbeitet gerade an seiner Bachelor-Arbeit und will danach nach Brasilien. Rumgekommen ist er. Engagiert und interessiert. Besucht als KoWi/PoWi-Student freiwillig Unternehmensgründungsseminare und Unternehmensplanspiele. Wenn er „gammelt“ kommen Geschäftsideen bei raus. Eine die so super ist, dass sie beim Unique Ideenwettbewerb 2012 mit dem zweiten Preis in der Kategorie Studierende und einem kleinen Startkapital ausgezeichnet wurde. Einige Zweifel gabs schon. Gibt es überhaupt einen Markt dafür? Ist man Nachfrage-, Angebots oder eingeschränktes-Polypol, -Oligopol oder -Monopol? Ist das überhaupt wichtig? Rentiert sich sowas? Wie setzt man die Preise fest? Wie macht man eine Website? Was ist die richtige Werbung? Fragen über Fragen mit denen sich viele Jungunternehmer da auseinandersetzen müssen.

Das Projekt „Möbelsprinter“ läuft nun schon fast ein Jahr lang. Was das ist? Eine Erleichterung für jeden Vollblutstudenten, Leute, die ihre Zeit lieber anderweitig investieren, Ikea-SB-Hallen-Orientierungslose, Möbel-die-Treppe-Hoch-Schleppen-Vermeider, Noch-keinen-Füherschein-Haber oder gar Auto-Besitzer, Think-Green-Revolutionäre und Nicht-Abwarten-Könner.

Philipp Hunsche und seine Partner kaufen Ikea-Möbel. Der Kunde schickt per Mail die Artikelnummer des gewünschten Produkts, welches man sich vorher  auf der Ikea-Website oder im Ikea-Katalog ausgesucht hat, an Möbelsprinter. Die Jungs düsen mit einem Sprinter nach Rostock zur nächsten Filiale, suchen dort alles zusammen, verfrachten die Ladung und fahren abschließend die Möbel direkt vor die Haustür.

Das kleine Jungunternehmen hebt sich von der Konkurrenz ab, denn auszeichnen tun sie sich vor allem durch einen individuellen Kundenkontakt während der Tour. Per SMS bekommt man die Ankunftszeit zugeschickt und auch wenn es mal das gewünschte Produkt nicht geben sollte wird man telefonisch informiert und  Alternativen besprochen. Die Preise sind mehr als nur fair und auf Anfrage werden auch umliegende Dörfer und Gemeinden beliefert. Aber das ist noch nicht alles. Für wenige Rubel werden die schwedischen Möbelstücke mit Namen zum neuen Besitzer getragen oder aufgebaut. Oder halt beides. Und selbst an die ältere Generation bzw. diejenigen, die es mit den E-Mails nicht so haben, wurde gedacht, indem sie jüngst einen Telefonservice einrichteten.

Hinter Geschäftsmodellen stehen immer Personen mit ihren Eigenschaften. Bei Philipp ist eine davon die eigene Begeisterung für die Idee. „Denn nur für Dinge, hinter denen man auch steht, ist man bereit etwas zu tun“. Selbstständig sein heißt auch mutig sein. “ Die Grundidee ist wichtig, den Rest muss man dann einfach ausprobieren.“ Bei der Umsetzung von Möbelprinter gab es starke Unterstützung. Die Dozenten der Universität Greifswald waren sehr hilfsbereit, aber auch Freunde halfen z.B. bei der Entwicklung einer Website oder bei der Gestaltung der Flyer mit. Vorallem das Sammeln neuer Erfahrungen ist wichtig. Um die zu bekommen muss man offen für Neues sein. „Man sollte sich auch immer Gedanken über Konsequenzen machen, aber der größere Anteil gedanklicher Arbeit sollte für die Potenziale und Chancen genutzt werden.“

Das sich das Projekt „Möbelsprinter“ allein für den eigenen praktischen Erfahrungspool lohnt ist sicher. Und finanziell?

„Wir sind froh, dass wir es bis hier hin geschafft haben und immer noch weitermachen. In der Start-Up-Szene ist es schon ein Erfolg, wenn das Produkt angenommen wird, es Kunden gibt, die bereit sind die angestrebten Preise zu bezahlen und schwarze Zahlen geschrieben werden, denn fast 1/3 aller Start-Ups schafft es nicht. Aber wenn man die ganze Zeit, die hinter Möbelsprinter steckt, mit zu unserem Stundentlohn zählt, sind wir weit weg vom gesetztichen Mindestlohn.“

Warum man Möbelsprinter in Anspruch nehmen sollte?

100% Kundenzufriedenheit und postive Resonanz. Mit allen Fahrten des Möbelsprinters konnten 5760 Kilogramm Kohlenstoffdioxid eingespart werden. Bestes Preis-Leistungsverhältnis. Für ein kleines bisschen Fortschritt in Sachen Unternehmertum in Greifswald. Philipp Hunsche ist super. Und es viel besser ist mit dem Fahrrad zum Strand, als mit dem Auto zu Ikea zu fahren.

Die nächste Fahrt ist übrigens am 17.05., d.h. nochma schnell auf die Ikea-Website und Artikelnummer per Mail an Möbelsprinter schicken. Ansonsten kann man bei Facebook auch mal liken und sich auf der Möbelsprinter-Website nochmal alle wichtigen Informationen anschauen. Seid fleißig beim unterstützen und weiterzwitschern.

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Hocus Pocus

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Nextdoor Neighbor Blues

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Mu(ell)sik – The Recycled Orchestra

(Fundort)

„The world sends us garbage.

We send back music“

– Favio Chávez –

Cateura ist eine kleine Stadt in Paraguay, wobei laut Wiki-Definition in diesem Fall nur das Wort Siedlung zutrifft, in der ca. 2500 Familien leben. Das erstaunliche an dieser Siedlung ist, dass sie auf einer Mülldeponie erbaut ist und täglich 1.500 Tonnen neuer Müll hinzugekippt werden. Woher, wieso und weshalb sei hier mal unbeachtet und hinzunehmen. Diese Familien suchen in diesem nach brauch- baren Resten, welche anschließend recycled und für wenig Geld weiterverkauft werden.

Ein zuerst vor allem eher menschlich geprägtes Projekt namens „Earth of Sounds“, ins Leben gerufen von Luis Szarán, einem paraguayischen Musiker, Komponisten und Dirigenten, mit der Intention Musik auch den ärmsten Kindern zugänglich zu machen, um sie von den Straßen wegzuholen, wo sie Gefahr laufen sich irgendwelchen Straßengangs anzuschließen oder sich mit Drogen an sorgloserere Orte zu katapultieren, entwickelte sich dann in Cateura zu einem Projekt, welches nicht nur gut für Menschen, sondern auch gut für die Umwelt ist.

Favio Chávez, Mitglied des Projektes und Person hinter dem Zitat, brachte „Earth of Sounds“ nach Cateura. Das Problem: Zu wenig Instrumente, zu viele Kinder. Problemlösung vom Feinsten: Instrumente aus Müll.

Aber seht selbst:

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The Thiams

Für mehr Infos, klicke hier.

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Lien for Syrians

Lien for Syrians Logo (Fundort)

Bestimmte Dinge bekommen erst dann eine Bedeutung, wenn man ein Gesicht dazu hat. Mein Gesicht lernte ich in der Mitfahrgelegenheit von Kiel nach Berlin am 01.01.2013 kennen.

Irgendwie hatte selbst ich es geschafft nach der Sylvesternacht um 12°° Uhr am Kieler Hauptbahnhof zu stehen. Alle waren am Treffpunkt außer einer. Er hatte verschlafen. Um die 20 Euro einzusacken holte die Fahrerin ihn beim Studentenwohnheim ab. Dort angekommen steht da ein Bube mit rabenschwarzen lockigen Haaren. Er hat braune Augen und sein Gesicht ist noch etwas verquollen vom Schlaf. Er ist einfach gekleidet, nicht ärmlich, vielmehr als wäre Kleidung etwas funktionales. Jeans, Jacke, Mütze. Er hat viel Gepäck dabei. Die Fahrerin verdreht die Augen, aber er ist hartnäckig. Alles muss mit. Die erste dreiviertel Stunde telefoniert er. Arabisch oder so. Das Mädchen neben mir schaut nervös zu mir rüber. Ich weiß nicht genau was sie denkt, aber es ist sicher klischeehaft. In Hamburg steigt die erste Mitfahrende aus und das nervöse Mädchen neben mir flüchtet auf den Beifahrersitz. Er lächelt mich an und ich beginne das Gespräch mit der Frage seiner Herkunft. Syrien. Er hat ein Studentenvisum bekommen um hier Wirtschaftsinformatik zu studieren. Sein Deutsch ist schlecht, deshalb muss er erstmal diesen Deutschkurs machen. Nebenbei arbeitet er viel, denn Deutschland ist teuer. Ein „gedulteter Asylstudent“ muss nachweisen, dass er sein Leben in Deutschland selbst finanzieren kann. Das heißt Miete, Krankenversicherung, Lebensmittel, Kleidung. Zuschüsse wie BAföG oder Sozialhilfe gibt es laut AsylbLG nicht. Auch in der Sylvesternacht hat er 12 Stunden gearbeitet und deshalb verschlafen. Er lacht. Trotzdem ist er froh in Deutschland zu sein. Ich drehe mich von ihm weg und versuche zu schlafen. Sekunden später tippt er mir an die Schulter. Ich schaue ihn an und er lacht. Er möchte reden, Deutsch üben. Ich mache mir einen Dutt, aber ihm gefällt es lieber, wenn ich meine Haare offen trage. Er schaut so absichtlos, dass ich ihm diesen Gefallen tue. Ich frage ihn warum er nach Berlin fährt. Er ist freiwilliger Spendensammler und Mitglied bei Lien e.V., einem deutsch-syrischen Sozialverein, und bei UsSA, der Union der syrischen Studenten und Akademikern. Von den Spenden wurden hauptsächlich Krankenwagen gekauft, die er und andere Mitglieder nach Syrien bringen. Die medizinische Versorgung in Syrien ist schlecht sagt er. Nun erklärt sich auch das viele Gepäck. Von Berlin aus würden sie mit den Krankenwagen nach Syrien fahren. Ich bin irritiert. Ich frage ihn, ob das nicht gefährlich ist und warum er das macht. Er lacht. Seine ganze Familie ist dort. Seine Freunde. Aus Solidarität. Für politische Freiheit. Gegen Einparteiensysteme und für den Sturz der aktuellen Regierung. Er war dabei als sich die zuerst friedliche Protestbewegung zu einem gewaltsamen Bürgerkrieg entwickelte. Er erzählt von Soldaten, die versuchen mit Schüssen die Massen zum Schweigen zu bringen. Er habe noch 3 Tage in Berlin bevor es nach Syrien geht. Er braucht noch ein Messer und Pfefferspray um sich vor eventuellen Übergriffen von Soldaten zu schützen. Er ist zwanzig Jahre alt. Ich bin einfach nur sprachlos.

In Berlin angekommen werden wir beide beim ICC rausgelassen. Ich frage irgendwelche Passanten nach dem Weg für ihn. Seine Bushaltestelle ist auf der anderen Straßenseite. Er umarmt mich zum Abschied. Ich wünsche ihm Erfolg und das er wieder heil zurück kommt.  Er drückt mir noch so einen Flyer in die Hand und sagt ich solle in meinem Blog drüber schreiben. Er lacht und geht los.

„Lien“ oder „layyen“ heißt im arabischen Barmherzigkeit.

Für die Homepage Lien e.V. bitte hier klicken und für UsSA bitte hier klicken.

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Was ist Kunst bzw. Künstler oder Einfalls-Pinsel?

„Was ist Kunst? Wenn ich es wüßte, würde ich es für mich behalten.“ So oder ähnlich antwortete Pablo Picasso auf die Frage was Kunst sei. Mein Versuch einer Antwort war regelrecht kläglich und weit entfernt von dieser Präzision. Vielleicht lag es an den Rauschmitteln die ich nahm, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht lag es auch daran, dass ich empört und aufgebracht war und meine geistigen Fähigkeiten durch die stark pulsierenden Adern, die mir ins Gehirn drückten, eingeschränkt wurden, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich keine Künstlerin bin, vielleicht aber auch nicht. Da saß ich nun, mir gegenüber ein Freund, ein Kunststudent auf Lehramt. Die Diskussion über Kunst brannte. Und letztlich zerfiel ich zu Asche. Bildlich gesprochen natürlich. Meine bislang aufgebauten Gedankengebilde zu diesem Thema und zu meinen Bildern wurden zerstört und das kurz bevor ich nach meiner langen kreativen Pause wieder etwas Geistreiches machen wollte. Vielen Dank auch!

Bin ich eine aufgeblasene Szene-Bitch geworden, die glaubt ihre ach so kreativen Gehirnzellen auf eine Leinwand zu kotzen mache sie intressanter und zu einer Künstlerin?

Schwierig zu sagen bei einer aktuellen Kultur der Ich-Bessenheit. Unsere Erwartungen sind regelrecht schwachmatisch geworden. Das soll heißen, dass wir einen nächsten Jimmy Hendrix durch David Guetta oder Bushido ersetzen. Etwa Wankelmut. Man nehme einen nicht unbedingt bekannten, wahrscheinlich selbst nur zufällig auf Youtube durch wahlloses herumklicken entdeckten, aber durchaus mit Potenzial gesteckten Song, schmiere etwas Technovibes drunter und fertig ist der Super-Track! Ja ok, das eine Ding ist ihm gelungen, aber One-Hit-Wonder gab es schon öfter. Ein ebenso großartiges Beispiel ist die hochgeschellte Anzahl der DJs. Heute muss man nicht mehr das eine Lied ins andere mischen können um sich eine/n DJ/ane nennen zu dürfen, dafür gibt es heute Programme, die das von ganz alleine übernehmen. Vielleicht bin ich dafür ja zu „oldschool“, was paradoxerweise ja eigentlich cool sein sollte.Letzlich soll das heißen, dass zu viele von den Self-made-Internetmusikern ungefähr soviel Ahnung von Musik haben wie ein Stück Käse, nähmlich keine.

Das Kunst-Pendant wäre Bansky. Er ist der Beweis für unsere in Sachen Kreativität verkümmerte Gesellschaft. Er lässt uns glauben, dass einige Grundkenntnisse im Grafikdesign und linke, politische Metaphern alles ist was man braucht um als Künstler Karriere zu machen. Das soll hier keineswegs falsch verstanden werden. Persönlich definiere ich Bansky als Künstler. In ihm steckt weit mehr Künstler als in der Mehrheit der Absolventenlisten berühmter Kunsthochschulen. Bei etwa 23 Hochschulen und ca. 10.000 eingeschriebenen angehenden Künstlern werden wohl nur eine handvoll das durchschnittliche Einkommen von 10.200 € im Jahr übertreffen. Mathematisch bedeutet dies, dass nur 0,05% von diesen eine Künstlerkarriere hinlegen werden. Ein Blick auf solche Zahlen reicht aus um zu erkennen, dass die studierten Kreativen wohl lieber doch einen Job bei der Versicherung hätten annehmen sollen.

Aber das ist leider noch nicht alles. Nicht nur die Menschen, die wahrscheinlich Künstler sind und jene, die es sein möchten und deshalb eine künstlerische Laufbahn einschlagen, sondern auch ein jeder Andere entdeckt zurzeit den Künstler in sich. Youtube, Soundcloud, Facebook, Tumblr, WordPress und die Gratis-App Instagram machen es möglich jedem Einfalls-Pinsel seinen kreativen Bullshit Öffentlich zu machen und ihn von anderen Idioten verbreiten zu lassen auf der Jagd nach dem heutigen bedeutenden „Daumen hoch“.

Beispielsweise gab es folgende Szenerie in Greifswald. Es war Wochenende und einige junge Großstadtkinder, die gerne und viel Pelz tragen kollidierten mit einer kleinen, eher unscheinbaren Greifswalder Restwelt zusammen. Austragungsort ist der „Menschen-Netto“. Das Motto “ Sehen und gesehen werden“ wird ergänzt durch „Und wenn man hier niemanden bekannten trifft, dann werden halt Fotos von uns an der Kasse gemacht und anschließend ins Internet gestellt“. Verlinkung bitte nicht vergessen, da man ansonsten die Person auf dem Foto nicht wiedererkennt. Das ist zum einen sarakstisch gemeint, zum anderen aber auch die Wahrheit. Der typische Hipster halt. Und nun erkläre man mir warum man mit einer Spiegelreflex, der zusätzliche Spaß zum IPhone, in einem Greifswalder Lebensmittelladen Fotos von kleinen, reichen Kindern macht. Es dauert keine Stunde bis man auf Facebook beim Lesen von meist unbedeutendem Gendankendünnpfiff Anderer und Verschwendung von eigener bedeutender Lebenszeit diesen Bullshit beim scrollen entdeckt. Der Moviemaker-Filter-Effekt von Instagram gibt mir dann den Rest. Nach langem Abwägen kann ich immer noch nicht eindeutig sagen wen ich nun beschissener finde. Die billige Banskykopie, im übertragenen Sinne den/die Akteur/Akteurin, die glauben ihre politische Methapher „Reich und schön“ durch lautes, arrogantes Gequatsche und die geraden eingekauften Artikel als „Hänsel und Gretel“-Spur über Greifswald zu verteilen oder diejenigen mit der Wahnvorstellung, diesen Moment für die Nachwelt und aus Gründen der Nostalgie festzuhalten. Das ist wie oben schon erwähnt nur ein Beispiel, die Hintergründe könnten natürlich ganz andere sein. Ebenso diese, warum viele den schönen Himmel oder den super toll ausehenden Salat fotografieren oder den Strand. Vielleicht wurde das damalige Prestige-Symbol, der Mercedes in der Einfahrt, ersetzt durch:“ Hey schaut mal. Ich bin irgendwo auf der Welt und esse irgendwas krasses oder während du da bist, bin ich am Strand auf der schönsten Insel der Welt“. Es ist eigentlich egal wie der Strand aussieht und ob man nun einen beschissenen Salat isst oder nicht, es geht lediglich ums Dasein und ums Nicht-Dasein. Anders kann ich mir dieses Mitteilungsbedürfnis nicht erklären. Wieso reicht es nicht, dass man diesen Moment nur mit diesem einen Menschen teilt, der ebenfalls anwesend ist. Wieso muss es anschließend noch fotografiert und Öffentlich gemacht werden? Da kommt sie auch schon. Aus der Tiefe meines Körpers. Langsam hochkriechende übel riechende Kotze.

Instagram, der neue Straßenjournalismus mit den wohl unwichtigsten Themen und Bildern für die Menschheit, bietet die Realität, gefiltert und zurechtgeschnitten von einer menschlich programmierten Applikation. Wir sind Touristen des eigenen Lebens geworden, die nicht verstehen das Zeichnen die Sprache fürs Auge und Musik die Malerei für die Ohren ist. Das ist weder kreativ noch originell. Sicher bestätigen Ausnahmen die Regel. Stichwort ist das Motiv.  Wertvolle Kunst, worunter auch die Fotografie von Dario Mitidieri fällt, welcher übrigens auch manchmal sein IPhone verwendet um wichtige Momente festzuhalten, gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar. Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unausprechlichen.

Mein Freund, der Kunststudent fragte mich, ob ich Geld für meine Bilder ausgeben würde bzw. ob ich glaube, dass es jemand anderes tun würde, denn er sähe in meinen Bildern nur schön abgemalte Frauen. So ein Mädchending eben. Mein lieber Freund Herr Kunststudent auch wenn meine Sätze lang und wirr waren an diesem Abend und der Alkohol versuchte meine Sinne zu täuschen, bleibe ich hartnäckig. Selbst die düsteren Zeilen des Artikels über die Kunst und Künstler im Spiegel schrecken mich nicht ab. In diesem steht, dass es sowohl für mich als Nicht-Kunststudentin als auch für dich als Kunststudent in Greifswald im 21. Jahrhundert eher aussichtslos ist, ein bewunderter, zumindest ein anerkannter Künstler zu werden, wenn man kein Abschlusszeugnis einer renommierten Akademie (klicke hier) vorweisen kann. Soviel ich weiß gehört die Universität Greifswald nicht dazu. Und auch wenn man das, was ein Professor von einem verlangt besonders gut umsetzt macht einen das nicht automatisch zum Künstler, sondern vielmehr zu einer Marionette unserer „Ach-so-tollen-Kunst-Gesellschaft“. Was einen Picasso von einem heutigen Kunststudenten unterscheidet ist der Aspekt, dass er der Kunsthochschule in Madrid ohne Abschluss den Rücken zudrehte, weil ihm die Lehrmethoden nicht gefielen. Auch zum Aspekt des Verkaufens hat er einige pasable Sätze formuliert. „Ein Maler ist ein Mann, der malt, was er verkauft. Ein Künstler ist dagegen ein Mann, der das verkauft, was er malt.“ Aber auch das definiert nicht den passionierten Künstler. Van Gogh machte sich sein Leben lang Vorwürfe, dass seine Malerei nicht wert war, was sie kostete. Ob er nun wusste oder nur hoffte, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Menschen erkennen, dass seine Kunst mehr wert ist als der Wert der Farbe, ist letztlich egal. Heute ist er ein anekannter, berühmter Künstler, dessen Bilder in den wichtigsten Museen hängen und unvorstellbar viel wert sind.

Kunst ist in erster Linie des Menschen Ausdrucksmöglichkeit. Sei es nun durch Farbe, Form oder Klängen. Es ist die Möglichkeit seine Seele in einer anderen Form zu therapieren. Wie es nun letztlich ankommt ist Geschmackssache. Der eine kann das Bild (siehe oben) völlig ablehnen, ein anderer gibt dafür 14.000 Pfund aus. Es spielt hierbei auch keine Rolle, dass der Künstler dieses Bildes der Schimpanse Congo ist, sondern eher der Aspekt, dass selbst Pablo Picasso einen Congo aufgehangen hat. „Musseen sind nichts weiter als ein Haufen Lügen und die Leute, die aus der Kunst ein Geschäft machen, sind meistens Betrüger.“

Vielleicht bin ich eine Künstlerin, vielleicht aber auch nicht.

P.S. Alle Fehler in diesem Artikel gehören zu meinem kreativen Ausdruck.

Meine Recherchen basieren auf folgenden Quellen:

Vice-Maganzine, Spiegel-Online, Mitidieri

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